Altersvorsorgedepot: Wollen die Menschen wirklich eine Standardlösung?
Florian Anderl 30.10.2026 Allgemeines
Die private Altersvorsorge steht vor einem grundlegenden Wandel. Ab 2027 sollen neue, staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte das bisherige Riester-System ablösen. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem das neue Altersvorsorgedepot (kurz: AVD), das erstmals auch renditeorientiertes Sparen mit ETFs und Fonds ohne Beitragsgarantie ermöglicht.
Ein wichtiger Bestandteil der Reform ist das sogenannte Standarddepot. Es soll den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern, indem es Sparerinnen und Sparern einen Großteil der Anlageentscheidungen abnimmt.
Doch wollen die Menschen überhaupt eine solche Standardlösung?
Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), durchgeführt von INSA, liefert dazu interessante Ergebnisse.
Nur jeder Zehnte möchte eine vorgegebene Standardlösung
Für die Untersuchung wurden im Oktober 2026 insgesamt 2.002 Menschen in Deutschland zu ihren Präferenzen bei der privaten Altersvorsorge befragt. Das Ergebnis fällt durchaus deutlich aus:
- 49 Prozent möchten sich zunächst beraten lassen und anschließend selbst entscheiden.
- 28 Prozent möchten ihre Geldanlage ohne vorherige Beratung selbst auswählen.
- Lediglich 10 Prozent bevorzugen eine möglichst einfache, vollständig vorgegebene Standardlösung.
- 13 Prozent wissen es nicht oder machten keine Angabe.
Damit möchten insgesamt 77 Prozent die Entscheidung über ihre private Altersvorsorge selbst treffen – entweder eigenständig oder auf Grundlage einer Beratung.
Das Ergebnis zeigt: Der Wunsch nach einer einfachen Lösung ist vorhanden. Für die große Mehrheit ist es aber offenbar ebenso wichtig, Einfluss auf die eigene Geldanlage zu behalten.
Einfachheit ist gut – aber nicht jeder braucht das Gleiche
Die Idee hinter dem Standarddepot ist durchaus sinnvoll.
Viele Menschen beschäftigen sich nur ungern mit Finanzmärkten, ETFs oder der langfristigen Geldanlage. Andere fühlen sich von der Vielzahl möglicher Produkte und Anlageentscheidungen überfordert. Eine kostengünstige und einfach zugängliche Standardlösung kann hier eine echte Verbesserung gegenüber vielen bisherigen Vorsorgeprodukten darstellen.
Gerade Menschen, die bisher überhaupt nicht privat vorsorgen, könnten davon profitieren.
Allerdings hat eine Standardlösung naturgemäß Grenzen: Sie orientiert sich an allgemeinen Vorgaben und kann nicht alle persönlichen Besonderheiten berücksichtigen. Denn die richtige Altersvorsorge hängt von vielen Faktoren ab:
- Wie hoch ist die gesetzliche und ggf. betriebliche Altersversorgung?
- Welche weiteren Vermögenswerte und Kapitalanlagen bestehen bereits?
- Wie lange ist der Anlagehorizont?
- Welche Schwankungen kann und möchte man finanziell und emotional aushalten?
- Wie flexibel soll das angesparte Kapital später verfügbar sein?
- Welche steuerlichen und persönlichen Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen?
Zwei Menschen mit identischem Einkommen und gleichem Alter können deshalb durchaus unterschiedliche Vorsorgestrategien benötigen.
Das Altersvorsorgedepot ist nicht automatisch die beste Lösung
Die Reform eröffnet neue Möglichkeiten. Das ist grundsätzlich positiv. Mit dem Altersvorsorgedepot wird die staatliche Förderung künftig auch für eine stärker kapitalmarktorientierte Anlage ohne Beitragsgarantie geöffnet. Dadurch können beispielsweise breit gestreute ETFs eingesetzt werden. Daneben gibt es weiterhin Garantieprodukte. Und mit dem Standarddepot soll eine besonders einfach zugängliche Variante entstehen.
Doch die entscheidende Frage lautet nicht, welches Produkt gerade besonders attraktiv erscheint. Viel wichtiger ist, welche Lösung zur eigenen finanziellen Gesamtsituation passt.
Ein gefördertes Altersvorsorgedepot kann sinnvoll sein. Es muss aber nicht automatisch die beste Wahl sein. Je nach Situation können auch eine ungeförderte ETF-Anlage, eine betriebliche Altersversorgung oder andere Formen des Vermögensaufbaus eine wichtige Rolle spielen.
Entscheidend ist deshalb der Vergleich der tatsächlichen Vor- und Nachteile – einschließlich Förderung, Kosten, Flexibilität, Besteuerung und Auszahlungsphase. Auch die staatliche Förderung allein sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Qualität der Kapitalanlage und die langfristigen Kosten entscheidend für das Ergebnis sind.
Beratung bedeutet nicht, die Entscheidung abzugeben
Besonders interessant ist, dass fast die Hälfte der Befragten zunächst eine Beratung wünscht, anschließend aber selbst entscheiden möchte. Genau darin liegt aus unserer Sicht ein wesentlicher Punkt guter Finanzberatung.
Beratung sollte Menschen nicht möglichst schnell zu einem bestimmten Produkt führen. Sie sollte zunächst Orientierung schaffen, Zusammenhänge erklären und unterschiedliche Möglichkeiten transparent machen.
Das bedeutet konkret:
1. Die persönliche Ausgangssituation analysieren.
2. Den tatsächlichen Vorsorgebedarf ermitteln.
3. Unterschiedliche Lösungswege vergleichen.
4. Kosten, Risiken, Fördermöglichkeiten und steuerliche Auswirkungen verständlich darstellen.
5. Eine Strategie entwickeln, die zur individuellen Lebenssituation passt.
Die Entscheidung bleibt dabei beim Kunden.
Unser Fazit: Die beste Altersvorsorge ist nicht die einfachste, sondern die passende
Das neue Altersvorsorgedepot ist eine interessante Weiterentwicklung der privaten Altersvorsorge. Insbesondere die Möglichkeit, staatliche Förderung mit einer langfristig renditeorientierten Kapitalanlage zu verbinden, eröffnet neue Chancen. Eine standardisierte Lösung kann dabei ein sinnvoller Einstieg sein. Sie sollte aber nicht mit einer individuellen Vorsorgestrategie verwechselt werden.
Die DIA-Umfrage macht deutlich, dass viele Menschen genau diese Wahlfreiheit schätzen: Sie möchten ihre finanzielle Zukunft selbst gestalten, sich bei Bedarf beraten lassen und am Ende eine fundierte eigene Entscheidung treffen.
Unser Ansatz bei FBN: Wir stellen nicht das Produkt in den Mittelpunkt, sondern den Menschen und seine finanzielle Situation. Wir vergleichen Möglichkeiten, erklären Chancen und Risiken und entwickeln daraus eine nachvollziehbare Strategie. Unabhängig, neutral und ohne Produktverkauf.
Denn gute Altersvorsorge beginnt nicht mit einem Vertrag. Sie beginnt mit einem Plan.
Quellen für die Veröffentlichung:











