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Smart-Beta ETFs

Beim Durchblättern der Financial Times oder des Bloomberg Markets Magazine stößt man immer wieder auf den Begriff „Smart Beta“. Auch im ETF-Markt haben entsprechende Strategien in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Doch was steckt eigentlich dahinter? Ist Smart Beta nur ein weiteres Modewort der Finanzbranche – oder verbirgt sich dahinter ein sinnvoller Ansatz für die Geldanlage?

Die kurze Antwort: Smart Beta ist weder Zauberformel noch Marketing-Gag. Es handelt sich um einen regelbasierten Ansatz, mit dem Anleger bestimmte Eigenschaften des Aktienmarktes gezielt nutzen können. Ob das sinnvoll ist, hängt allerdings von der jeweiligen Strategie und vom Anleger ab.

Was ist eigentlich ein ETF?

Beginnen wir mit dem Grundprinzip.

Ein ETF – kurz für „Exchange Traded Fund“ – ist ein börsengehandelter Fonds. Er bündelt viele verschiedene Wertpapiere und bildet beispielsweise einen Aktienindex wie den MSCI World oder den DAX ab.

Der große Vorteil: Anleger müssen nicht selbst einzelne Aktien auswählen. Mit einem einzigen ETF können sie beispielsweise in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen investieren. Dadurch lässt sich eine breite Streuung des Vermögens erreichen.

Viele klassische ETFs bilden einen Index möglichst genau und kostengünstig ab. Bei einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index gilt vereinfacht:

Je größer ein Unternehmen an der Börse ist, desto höher ist sein Gewicht im Index.

Hat ein Unternehmen beispielsweise einen Anteil von 5 % an der gesamten Marktkapitalisierung eines Index, wird die Aktie entsprechend mit etwa 5 % gewichtet.

Dieser Ansatz ist einfach, transparent und kostengünstig. Und genau diese niedrigen Kosten sind einer der wesentlichen Vorteile passiver ETFs: Bei gleicher Marktentwicklung bleibt dem Anleger ein größerer Teil der Rendite.

Und was macht Smart Beta anders?

Smart-Beta-Strategien setzen genau an diesem Punkt an.

Statt Unternehmen ausschließlich nach ihrer Marktkapitalisierung zu gewichten, werden bestimmte Merkmale – sogenannte Faktoren – systematisch berücksichtigt.

Die Gewichtung erfolgt also weiterhin nach festen Regeln und nicht nach der subjektiven Einschätzung eines Fondsmanagers. Gleichzeitig weicht die Strategie bewusst von der klassischen Marktkapitalisierung ab.

Smart Beta kann man deshalb vereinfacht als regelbasiertes Investieren mit einer gezielten Faktor-Ausrichtungverstehen.

Zu den bekanntesten Faktoren gehören beispielsweise Value, Quality, Momentum, Small Cap und Low Volatility.

Low Volatility: Weniger Schwankung

Ein besonders bekannter Faktor ist Low Volatility.

Hier werden Unternehmen mit historisch vergleichsweise geringen Kursschwankungen stärker berücksichtigt als Unternehmen mit hoher Volatilität.

Der Gedanke dahinter ist interessant: Historisch haben Aktien mit geringerer Schwankungsintensität teilweise ähnlich hohe Renditen erzielt wie deutlich volatilere Aktien.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Low-Volatility-Aktien „sicher“ sind oder nicht fallen können. Auch diese Aktien können erhebliche Kursverluste erleiden.

Der Faktor zielt vielmehr darauf ab, das Schwankungsrisiko des Aktienportfolios zu reduzieren, ohne vollständig auf die Renditechancen des Aktienmarktes zu verzichten.

Value: Günstig bewertete Unternehmen

Beim Value-Faktor stehen Unternehmen im Mittelpunkt, die im Verhältnis zu ihren fundamentalen Kennzahlen vergleichsweise günstig bewertet sind.

Dafür können beispielsweise Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis herangezogen werden.

Die Idee: Unternehmen, die vom Markt relativ niedrig bewertet werden, könnten langfristig eine höhere Rendite erzielen, wenn sich diese Unterbewertung abbaut.

Allerdings gilt auch hier: Eine Aktie kann günstig bewertet sein, weil der Markt berechtigte Zweifel an der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens hat. Eine niedrige Bewertung ist deshalb nicht automatisch ein Schnäppchen.

Quality: Qualität statt nur Wachstum

Der Faktor Quality konzentriert sich auf Unternehmen mit bestimmten fundamentalen Qualitätsmerkmalen.

Dazu können beispielsweise eine hohe und stabile Profitabilität, eine solide Bilanz, eine geringe Verschuldung oder stabile Cashflows gehören.

Die Grundidee: Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell und einer hohen wirtschaftlichen Qualität könnten langfristig attraktivere Risiko-Rendite-Eigenschaften aufweisen.

Welche Unternehmen als „qualitativ hochwertig“ gelten, hängt dabei von der konkreten Indexmethodik ab.

Momentum: Trends systematisch nutzen

Beim Momentum-Faktor werden Aktien berücksichtigt, die sich in der jüngeren Vergangenheit vergleichsweise gut entwickelt haben.

Die dahinterstehende Beobachtung lautet vereinfacht: Aktien, die sich bereits positiv entwickelt haben, können ihren Trend über bestimmte Zeiträume fortsetzen.

Momentum-Strategien versuchen deshalb, solche Trends systematisch zu nutzen.

Wichtig ist: Das bedeutet nicht, dass bei jedem Kursrückgang automatisch verkauft wird. Entscheidend ist vielmehr die jeweils definierte Regel des entsprechenden Index oder ETFs.

Small Cap: Kleinere Unternehmen

Small Caps sind Unternehmen mit vergleichsweise geringer Marktkapitalisierung.

Historisch wurde beobachtet, dass kleinere Unternehmen teilweise höhere Renditen erzielen konnten als große Unternehmen. Ob und in welchem Umfang daraus eine eigenständige Small-Cap-Prämie entsteht, ist allerdings differenziert zu betrachten.

Kleinere Unternehmen können zudem stärkeren Kursschwankungen, geringerer Liquidität und höheren unternehmerischen Risiken ausgesetzt sein.

Auch hier gilt daher: Eine potenziell höhere Rendite gibt es nicht ohne zusätzliche Risiken.

Ist Smart Beta also besser als ein klassischer ETF?

Nein – zumindest nicht grundsätzlich.

Das ist ein wichtiger Punkt.

Smart Beta ist keine Weiterentwicklung, die automatisch zu höheren Renditen oder geringeren Risiken führt.

Jeder Faktor kann über längere Zeiträume sehr gut funktionieren – aber auch über Jahre hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.

Ein Value-ETF kann beispielsweise in einer Phase stark steigender Wachstumsaktien deutlich schlechter abschneiden. Eine Momentum-Strategie kann nach einer abrupten Trendwende Schwierigkeiten bekommen. Und ein Low-Volatility-ETF kann sich in einem starken Bullenmarkt anders entwickeln als der Gesamtmarkt.

Hinzu kommt: Faktor-ETFs können sich teilweise deutlich von einem klassischen Marktindex unterscheiden. Dadurch entstehen beispielsweise andere Branchen-, Länder- oder Unternehmensgewichtungen.

Auch die Kosten und die konkrete Umsetzung spielen eine Rolle. Smart-Beta-Strategien müssen regelmäßig angepasst und neu gewichtet werden. Deshalb sollte man nicht nur auf die ausgewiesenen Fondskosten schauen, sondern auch auf die tatsächliche Umsetzung und die Abweichung vom zugrunde liegenden Index.

Was bedeutet das für Anleger?

Smart Beta kann ein interessantes Werkzeug innerhalb einer langfristigen Anlagestrategie sein.

Aber die entscheidende Frage lautet nicht:

„Welcher Smart-Beta-ETF hat in den letzten Jahren am besten abgeschnitten?“

Sondern:

„Welche Strategie passt zu meinem Anlageziel, meinem Risikoprofil und meinem gesamten Vermögen?“

Denn ein ETF ist zunächst nur ein Instrument. Entscheidend ist die Strategie, die dahintersteht.

Bei einer unabhängigen Finanzberatung sollte deshalb nicht das einzelne Produkt am Anfang stehen. Zunächst geht es um die Ziele, den Anlagehorizont, die Risikotragfähigkeit und die bestehende Vermögensstruktur. Erst danach stellt sich die Frage, ob ein klassischer Index-ETF, eine Faktorstrategie oder eine Kombination verschiedener Ansätze sinnvoll ist.

Smart Beta ist damit weder Modewort noch Wundermittel. Es ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, ob es zur jeweiligen Aufgabe passt.